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Um die Stadt zu planen, bauen und entwickeln, stehen in Innsbruck zahlreiche Instrumente zur Verfügung, deren gemeinsamer Fokus auf Qualität gerichtet ist.
Um die Stadt zu planen, bauen und entwickeln, stehen in Innsbruck zahlreiche Instrumente zur Verfügung, deren gemeinsamer Fokus auf Qualität gerichtet ist.

Baukultur blickt auf das große Ganze

Raum ist in Innsbruck begrenzt. Diese Tatsache ist für die Stadtplanung Herausforderung und Chance zugleich. Mithilfe von essenziellen Werkzeugen, wie ÖROKO, Flächenwidmungs- und Bebauungsplänen, Wettbewerben und dem Gestaltungsbeirat, wird die Entwicklung langfristig gesteuert.

Das Haus der Musik Innsbruck und die gegenüberliegende Kaiserliche Hofburg, das Goldene Dachl und die sich in unmittelbarer Nähe befindliche Hungerburgbahn von Zaha Hadid, die Sprungschanze am Bergisel, die über Innsbruck thront, und die bunte Häuserzeile in der Mariahilfstraße – bei einem Spaziergang durch die Tiroler Landeshauptstadt wird eines deutlich: Baukultur umfasst vieles, denn im Herzen der Alpen trifft Alt auf Neu, Funktion auf Ästhetik und Kreativität auf Tradition. „Letztendlich müssen aber alle Teile ein großes Ganzes, nämlich unseren Lebensraum, bilden“, fasst Bürgermeister Georg Willi zusammen. Damit dies gelingt, braucht es festgeschriebene Ziele und Regelwerke, die die Entwicklung der Stadt steuern. „Über Geschmack lässt sich zwar streiten und Schönheit liegt im Auge des Betrachters – bei der Stadtplanung verhält es sich aber anders“, bringt es der Stadtchef auf den Punkt: „Stadtentwicklung folgt klaren Vorgaben. Denn Gestaltung muss nachhaltig gedacht werden, um den Ansprüchen und Veränderungen des täglichen Lebens gerecht zu werden.“

Mit etwas Hilfe Stadt bauen

Um eine Stadt für alle zu planen und bauen, wird in Innsbruck auf Instrumente zurückgegriffen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: „Es geht nicht um schnelle Stadtproduktion, sondern um Qualität“, erklärt Amtsvorstand DI Dr. Wolfgang Andexlinger (Stadtplanung, Stadtentwicklung und Integration). Beim vorausschauenden Planen von Zukunftsräumen sind beispielsweise der „Gestaltungsbeirat“, das örtliche Raumordnungskonzept (ÖROKO) sowie der „Beirat für Stadt- und Ortsbildschutz“ unverzichtbar. Seit dem Jahr 2013 unterstützt und berät der Innsbrucker Gestaltungsbeirat politische EntscheidungsträgerInnen und Amtssachverständige. Er tritt als unabhängiges Sachverständigengremium auf, das Projekte, Konzepte und Entwicklungen im Stadtgebiet hinsichtlich ihrer Qualität in den Bereichen Architektur, Stadtgestaltung, -entwicklung und Städtebau beurteilt. 2018 behandelte der Beirat beispielsweise insgesamt 85 Projekte – von kleinen Baumaßnahmen bis hin zu komplexen städtebaulichen Entwicklungen. Heuer diskutierte er bereits 50 Projekte. Ergänzend dazu konnten Projekte, wie beispielsweise Campagne Reichenau oder der Universitätsneubau am Standort der „Alten Chemie“ am Innrain, mit Hilfe von kooperativen Planungsverfahren, Wettbewerben und Workshops entwickelt werden.

„Visionen und Kreativität sind unverzichtbar für die Entwicklung der Stadt. Gleichzeitig werden ein gemeinsames Ziel und ein langfristiger Rahmen benötigt, die dafür sorgen, dass wir nicht vom eingeschlagenen Weg abkommen."

Bürgermeister Georg Willi

Bürgermeister Georg Willi

Grundlage, Leitlinien, Ziele

Im Juni 2019 beschloss der Gemeinderat darüber hinaus die Fortschreibung des 2. Entwurfs des ÖROKO (ÖROKO 2.0). Neben intensiven politischen Diskussionen darüber, gab es im Vorfeld auch zahlreiche Rückmeldungen aus der Bevölkerung: Insgesamt wurden ca. 380 Stellungnahmen von rund 760 Personen zu 510 verschiedenen Themen registriert. Derzeit läuft das aufsichtsbehördliche Genehmigungsverfahren beim Amt der Tiroler Landesregierung, anschließend wird das ÖROKO 2.0 rechtskräftig. Mit dem Beschluss liegt der Stadt dann ein strategisches Planungsinstrument für die räumliche Entwicklung in den nächsten zehn Jahren vor. Basierend auf dem Konzept werden einerseits konkrete Maßnahmen umgesetzt, andererseits langfristige Handlungsspielräume offengehalten. Damit wird sichergestellt, dass die Landeshauptstadt in ihrem begrenzten Siedlungsgebiet heutzutage wie auch zukünftig Raum für das zur Verfügung hat, was die BewohnerInnen im täglichen Leben brauchen. 

Veranstaltungstipp

„Let‘s talk about Stadtentwicklung: Innsbrucker Gestaltungsbeirat“ findet im Oktober 2019 in der Stadtbibliothek Innsbruck (Raum für Stadtentwicklung), Amraser Straße 2, statt. Details zum Veranstaltungstermin werden rechtzeitig bekannt gegeben. Der erste Vorsitzende des 2013 eingerichteten Innsbrucker Gestaltungsbeirates, Architekt DI Ernst Beneder, wagt einen Rückblick auf sechs spannende Jahre. Gemeinsam mit DI Dr. Wolfgang Andexlinger (Amtsvorstand Stadtplanung, Stadtentwicklung und Integration) stellt er sich im Anschluss einer Diskussion.

Wenig Platz, viele Aufgaben

Während die Anzahl der InnsbruckerInnen stetig wächst, bieten sich durch die geografische Lage der Alpenstadt kaum Möglichkeiten des Randwachstums. Die Gesamtfläche der Landeshauptstadt beläuft sich zwar auf knapp 10.500 Hektar, der Dauersiedlungsraum macht aber lediglich etwa 2.700 Hektar aus, also etwa ein Viertel davon. „Größter Herausforderer der Stadtplanung und -entwicklung ist in Innsbruck sicher der stark beschränkte Platz“, gibt Amtsvorstand Andexlinger einen Einblick in die tägliche Arbeit: „Gleichzeitig ist es aber genau dieses knappe Raumangebot, das erfinderisch macht.“ Auch Innsbrucks Bürgermeister weiß: „Die vorhandenen Flächen sind begrenzt, deswegen müssen wir die Zwischenräume nutzen – und nicht nur das, wir müssen sie gut und teilweise auch mehrfach nutzen.“ Beispiele sind im Stadtbild schon zu entdecken: Mit dem Bundesrealgymnasium in der Au, das 2011 eröffnet wurde, kam eine solche flächenschonende Entwicklung bereits zum Einsatz. Denn beim Bau der Bildungseinrichtung wurde eine bis dato österreichweit einmalige Kombination aus Schule und Einkaufszentrum umgesetzt. Die Verbindung von Studierendenwohnheim und Tankstelle an der Kranebitter Allee zeigt, wie wenig Raum mehrere Aufgaben erfüllen kann. In Innsbruck gibt es noch zwei große Stadtentwicklungsgebiete: Das eine wird beim Projekt Campagne Reichenau im Osten bereits bebaut. Auch für das andere, das sogenannte Harterhofplateau im Innsbrucker Westen, sind die Planungen bereits im Laufen. (AA)