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Almabtrieb von der Höttinger Alm. Der Bildstock besteht nicht mehr. Postkarte undatiert
Almabtrieb von der Höttinger Alm. Der Bildstock besteht nicht mehr. Postkarte undatiert

Innsbruck vor 100 Jahren - September 1919

aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck von Daniela Manna

1. September 1919
In den Inn gesprungen. Ein Leser unseres Blattes teilt uns mit, daß am Samstag gegen vier Uhr früh ein junger, blonder Mann, etwa 30 Jahre alt, beim Innsteg in den Strom gesprungen ist. Sein letzter Ruf war: Marta! Der Unbekannte hatte einen hinkenden Gang und geberdete sich sehr aufgeregt. Der Einsender sah den Vorgang von der Ferne und kam zu spät an Ort und Stelle, um noch Hilfe zu bringen.

1. September 1919
Diebereien. Ein Einbrecher stahl dem in der Schlachthalle Bediensteten F. Slawizek nach Entfernung eines Vorhängeschlosses vor dem Keller, in den er dann leicht eindringen konnte, 150 Stück eingelegte Eier bester Qualität. - Nicht einmal Topfpflanzen sind mehr sicher. Dem Josef Bauer wurde ein großer Georgienstock, der auf 30 K bewertet ist, wegzutragen versucht. Da viele Blüten abgerissen waren, mag eventuelle ein Bosheitsakt vorliegen.

4. September 1919
Scherze mit üblen Folgen
. In Mariahilf spielten mehrere Burschen mit einem Eisenstab. Einer markierte „Ausfall mit Stoß auf die Brust“ gegen den anderen. Ein Dritter wußte nun nichts besseres zu tun, als dem einen einen „Renner“ zu geben, wodurch der Stoß große Kraft erlangte und dem Bedrohten wahrscheinlich eine Rippe gebrochen worden ist.

5. September 1919
Wie man mit der Schere Glas schneidet.
Will man ein Stück Fensterglas zu irgendeinem Zwecke zurechtschneiden, dann hat man meist keinen Glaserdiamanten zur Hand, und um gekrümmte Schnitte auszuführen, fehlt das Kurvenlineal. Nach einer Angabe des „Prometheus“ kann man aber Glas viel praktischer mit der Schere schneiden, wenn man den ganzen Schneidevorgang sich unter Wasser abspielen lässt. Das zu beschneidende Glasstück sowie die Schere müssen beide ganz, etwa 10 Zentimeter tief, in das Wasser eintauchen. […] Natürlich kann man mit der Schere nicht die Fensterglasscheibe mitten durchschneiden, je kleiner die durch den Schnitt abzutrennenden Flächen sind, desto leichter ist das Schneiden. Um einen breiten Streifen von einer Glasplatte abzuschneiden, tut man das zweckmäßig in zwei Schnitten, von denen jeder die Hälfte des Streifens abtrennt.

Kiebachgasse: Ehemalige Normalschule und evangelische Kirche. Postkarte von 1927
Kiebachgasse: Ehemalige Normalschule und evangelische Kirche. Postkarte von 1927

6. September 1919
Junge Herren. Glück bei den Damen haben Sie nur als flotter, wirklich eleganter Tänzer! – Melden Sie sich noch HEUTE zu den Spezialkursen des Instituts L. SCHWOTT Büro Anichst. 1/Mezz., Anmeldungen beim Direktor Rolf Bergen.

9. September 1919
Der Innsbrucker Hofgarten ist heuer, seit er durch die Freigabe des sogenannten Kammergartens an Größe und Schönheit erheblich gewonnen hat, mehr als je der beliebteste Sammelpunkt aller jener, die sich nach frischem Grün und staubfreier Luft sehnen: ein willkommener, weil billiger und bequemer Sommerfrischeersatz. Der Aufenthalt in dem schönen Garten ist um so angenehmer, als sein Gärtner in sehr anerkennenswerter Weise besonderen Ehrgeiz daran zu setzen scheint, nichts zu vernachlässigen, sondern die Wege und Anlagen, Blumenbeete und Rasenflächen möglichst sorgfältig zu hegen und sauber zu halten. Möge sich dafür das Publikum wenigstens dadurch dankbar erweisen, daß es auch seinerseits bedacht ist, die Anlagen zu schonen und Wege und Bänke reinzuhalten.

15. September 1919
Der Alkohol. Am Freitag abends fiel in der Kiebachgasse ein 76 Jahre altes Weiblein zusammen. Irgend eine „gute Seele“ hatte der Greisin so viel Wein gegeben, daß das Gehwerk versagte und dieselbe im Rettungswagen nach Hötting geschafft werden mußte.

17. September 1919
Heirat. Intelligenter junger Mann, fesche Erscheinung, mit edlem Charakter, möchte sich mit vermögendem Fräulein, Witwe bevorzugt, aber nicht über 35 Jahre, nur unter gegenseitigem Verständnis auf eine glückliche Zukunft verehelichen. Meinerseits späteres Vermögen sichergestellt. Lichtbild erwünscht. Unter „Fortuna 2961“ an die Verm. 8.

17. September 1919
Verbot der Bierausfuhr aus Tirol. Die Bierausfuhr aus Tirol wurde, wie das Landeswirtschaftsamt mitteilt, mit Rücksicht auf den unterdeckten Landesbedarf verboten. Der Verkehr innerhalb Tirols bleibt frei.

Hötting: Ein Mann schiebt sein Fahrrad auf der Straße. Foto vom 18. Juni 1963
Hötting: Ein Mann schiebt sein Fahrrad auf der Straße. Foto vom 18. Juni 1963

18. September 1919
Innsbrucker Butterskandal. Es wird uns geschrieben: Vier Wochen sind bereits verstrichen, ohne daß die unteren Schichten der Bevölkerung die ihr gebührende geringfügige Kopfquote von 6 Deka Butter erhalten hätten. Die laufende fünfte Woche werden wir abermals der Butter beraubt; denn das teure Oel steht für uns zum Kaufe bereit. Wiederholt ist in diesem Blatte die Frage aufgeworfen worden: „Wohin kommt die angelieferte Butter?“ Allein die maßgebenden Kreise hüllten sich in tiefes Schweigen. Nun keine Antwort ist auch eine Antwort. Mögen jene Kreise unsere Geduld nicht länger mißbrauchen. [...]

23. September 1919
Almabtrieb. Am Samstag erfolgte der Viehabtrieb von der Höttinger Alm. Zum erstenmale seit Jahren sah man wieder einen Almabtrieb nach altem Tiroler Brauche. Kühe und Jungvieh waren bekränzt und trugen mannigfachen Schmuck, nur der Senner verschmähte die ländlich-sittliche Tracht seines Standes und schritt im „Stadtgwandl“ hierher.

26. September 1919
Radfahren verboten! Aus Höttinger Radfahrerkreisen werden wir um Aufnahme folgender Zeilen ersucht: Wer das zweifelhafte Vergnügen hat, ein Fahrrad zu besitzen, der hebt sicher den sehr berechtigten Wunsch, damit auch fahren zu können; in der Regel kann er das auch. Hat er aber in Hötting etwas zu tun, so lasse er sein Vehikel schön zuhause und gehe zu Fuß, denn dort steht am Anfang und am Ende jeder Straße groß und deutlich: „Radfahren verboten!“ Das Radfahrverbot für die steil abwärts führenden Straßen, wie z. B. die schmale Höttingergasse, in welcher besonders zur Mittagszeit der Verkehr rege ist, kann und wird man aus Sicherheitsgründen gerne gelten lassen. Wozu aber das Verbot für alle anderen Straßen? Fährt man wo immer, so kommt der Wachmann mit gezücktem Bleistift. Um sachlich zu sein: es wäre sicher niemand gefährdet, wenn man das Verbot für die ebenen und für die Straßen mit unbedeutenden Steigungen aufheben würde, zumal sich doch fast überall Gehsteige befinden und von Fall zu Fall wird sich gewiß jeder halbwegs geübte Radfahrer durch eine zwei- bis dreiköpfige „Menschenmenge“ drängen können.

27. September 1919
Garantierter Erfolg!
Tausende Dankbriefe zur gefälligen Einsicht liegen an! Eine üppige, schöne, feste Büste erhalten Sie bei Gebrauch der med. Dr. A. Rix Busencreme, garantiert unschädlich, für jedes Alter rascher, sicherer Erfolg. Äußerlich anwendbar. Die einzige Busencreme, die ob ihrer großartigen Wirkung von Apothekern, Hofparfumerien etc. geführt wird. Probedose K 10-, große Dose, genügend zum Erfolg K 15-, Porto separat. Versand streng diskret. Kosm.Dr.A. Rix-Präparate Wien IX., Lakierergasse 6/10. Depot in Innsbruck: M. Binder, Andreas-Hoferstraße 2.

29. September 1919
Ein unverhofftes Wiedersehen. Der Frau M. Sch. ist auf der Fahrt nach Kufstein in Wörgl ihr auf 150 Kronen bewerteter Hut abhanden gekommen. Schon hatte die mittlerweile nach Innsbruck gekommene Frau auf eine Wiedererlangung des Hutes nicht mehr gehofft, als sie diesen ganz unvermutet bei einem Spaziergange auf dem Kopfe einer Frau bemerkte. Sie wurde befragt und sagte, daß sie den Hut von ihrer Schwester geschenkt bekam. Die Schwester gab dies zu. Sie habe den Hut in Wörgl gefunden, dies auch gemeldet, aber niemand habe auf ihre Worte geachtet. Es wurde festgestellt, daß die Frau nicht ganz normal ist.

Der Innsteg,  heute Emile-Béthouart-Steg, mit der Knabenvolksschule St. Nikolaus (heute Landesberufsschule St. Nikolaus) und dem Ansitz Rauschenstein. Postkarte von 1918
Der Innsteg, heute Emile-Béthouart-Steg, mit der Knabenvolksschule St. Nikolaus (heute Landesberufsschule St. Nikolaus) und dem Ansitz Rauschenstein. Postkarte von 1918